Frau vor Dorfbewohnern hingerichtet, nachdem eine illegale Jirga sie in Pakistan zur „Kari“ erklärt hatte
Alter: 20 Jahre
Ermordet: 10. April 2026 (gegen 03:30 Uhr)
Wohnort: Dorf Burdo Chandio (auch als Batto / Butto / Bhutto Chandio bezeichnet), nahe Tando Masti, Distrikt Khairpur, Sindh
Herkunft: Pakistan
Kinder: keine Angaben
Täter: Großvater, Onkel mütterlicherseits (Qaisar Chandio) und weitere Angehörige
Eine junge Frau aus dem Distrikt Khairpur in der pakistanischen Provinz Sindh wurde erschossen, nachdem ein illegales Stammesgericht, eine sogenannte Jirga, sie für schuldig erklärt hatte, „Schande“ über ihre Familie gebracht zu haben. Das Opfer, das als Khalida Chandio (auch bekannt als Rubina) identifiziert wurde, wurde beschuldigt, eine unerlaubte Beziehung zu haben – ein Vorwurf, der nach dem örtlichen Brauch des Karo-Kari häufig als Rechtfertigung für sogenannte Ehrenmorde herangezogen wird.
Khalida war seit mehreren Jahren mit einem Cousin verheiratet. Ihr Ehemann, ein Fabrikarbeiter in Karatschi, war einige Monate zuvor verschwunden. Daraufhin kehrte sie in das Haus ihrer Eltern im Dorf zurück. Nach Angaben der Ermittler verließ sie später gemeinsam mit einem Mann aus ihrer Gemeinde das Haus. Angehörige fanden das Paar und brachten Khalida zu ihrer Familie zurück. Anstatt sie zu schützen, führten sie sie vor eine Versammlung männlicher Angehöriger und Dorfbewohner. Mitglieder einer illegalen Jirga erklärten sie zur „Kari“ – eine Bezeichnung aus der Sindhi-Sprache, mit der eine Frau beschuldigt wird, die Ehre ihrer Familie verletzt zu haben. Solche Entscheidungen von Stammesgerichten haben nach pakistanischem Recht keinen rechtlichen Status, beeinflussen die Gemeinschaften in Teilen von Sindh und Belutschistan jedoch weiterhin.
Nach Aussagen von Zeugen und Polizeiberichten wurde Khalida auf einen offenen Platz gebracht und festgehalten, während Angehörige, darunter ihr Onkel mütterlicherseits und ihr Großvater, aus nächster Nähe auf sie schossen. Die Tötung ereignete sich vor den Augen Dutzender Menschen. Viele Umstehende griffen nicht ein, sondern sahen zu, wie die Hinrichtung durchgeführt wurde. Später verbreitete sich ein Video der Tat in den sozialen Medien. Dies löste landesweite Empörung aus und zwang die Behörden, umfassende Ermittlungen einzuleiten.
Die Polizei nahm anschließend mehrere Verdächtige fest, darunter nahe Angehörige des Opfers sowie Personen, die mutmaßlich an der Jirga beteiligt waren oder diese organisiert hatten. Die Ermittler erklärten, dass nach weiteren Verdächtigen gesucht werde und dass die Verantwortlichen nach dem pakistanischen Strafrecht strafrechtlich verfolgt würden. Das Auftauchen des Videos spielte eine entscheidende Rolle dabei, den Fall öffentlich bekannt zu machen, da viele Ehrenmorde in ländlichen Gebieten nicht gemeldet oder von Familien vertuscht werden.
Der Mord löste in ganz Sindh Proteste aus. Frauenrechtsorganisationen, Anwälte und Gruppen der Zivilgesellschaft forderten Gerechtigkeit für Khalida sowie eine konsequentere Durchsetzung der Gesetze gegen illegale Jirgas und gewaltvolle Verbrechen im Namen der sogenannten Familienehre. Die Demonstranten erklärten, dass Frauen trotz gesetzlicher Reformen in den vergangenen Jahren weiterhin aufgrund von Vorwürfen getötet würden, sie hätten die Ehre ihrer Familie beschädigt. Täter würden sich häufig auf Stammesbräuche, Einschüchterung und gesellschaftlichen Druck stützen, um einer strafrechtlichen Verantwortung zu entgehen.
Menschenrechtsorganisationen warnen seit Langem, dass sogenannte Ehrenmorde in Pakistan nur selten tatsächlich durch Ehre motiviert sind. Stattdessen stehen sie häufig mit patriarchaler Kontrolle, Zwangsheiraten, Eigentumsstreitigkeiten oder dem Versuch in Verbindung, Frauen zu bestrafen, die eigene Entscheidungen über ihr Leben treffen. Aktivisten erklären, der Mord an Khalida Chandio zeige, wie illegale Stammesjustizsysteme Frauen trotz bestehender gesetzlicher Schutzbestimmungen weiterhin gefährden.
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Was ist ein Ehrenmord? |
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Ein Ehrenmord ist ein Mord im Namen der Ehre. Wenn ein Bruder seine Schwester ermordet, um die Familienehre wiederherzustellen, handelt es sich um einen Ehrenmord. Nach Ansicht von Aktivisten sind die häufigsten Gründe für Ehrenmorde, wenn das Opfer:
Menschenrechtler gehen davon aus, dass jedes Jahr 100.000 Ehrenmorde verübt werden, von denen die meisten den Behörden nicht gemeldet werden und einige sogar von den Behörden selbst absichtlich vertuscht werden, zum Beispiel weil die Täter gute Freunde von örtlichen Polizisten, Beamten oder Politikern sind. Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist immer noch ein ernstes Problem in Pakistan, Indien, Afghanistan, Irak, Syrien, Iran, Serbien und Türkei. |
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