Mindestens 187 Frauen im Iran im Jahr 2025 getötet: Wenn „Ehre“ zum Freibrief für Mord wird

StopFemicideIran hat im Jahr 2025 im Iran mindestens 187 Femizide dokumentiert. Die Organisation untersuchte 241 Fälle, in denen Frauen getötet wurden. Diese Zahl stellt möglicherweise nur einen Bruchteil der tatsächlichen Gesamtzahl dar.

Im Iran werden Frauen weiterhin getötet, weil sie Entscheidungen treffen, die allein ihnen zustehen sollten: Sie entscheiden selbst, ob sie heiraten möchten, beenden eine Beziehung, beantragen die Scheidung, verteidigen ihre finanzielle Unabhängigkeit oder weigern sich, sich männlichen Verwandten unterzuordnen.

Der aktuelle Jahresbericht von StopFemicideIran mit dem Titel „Gezählt trotz der Dunkelheit: Dokumentation von Femizidfällen“ dokumentiert mindestens 187 Femizide im Iran im Jahr 2025. Das entspricht mehr als 15 dokumentierten Tötungen pro Monat, also fast einer getöteten Frau alle zwei Tage.

Unter den Fällen waren Frauen und Mädchen aus unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und ethnischen Verhältnissen. Zu den Opfern gehörten Mütter, Mädchen, Hochschulmitarbeiterinnen, Asylsuchende und Sportlerinnen. Ihre individuellen Lebensumstände waren unterschiedlich, doch dieselben Muster treten immer wieder hervor: Kontrolle, häusliche Gewalt, Zwang, die sogenannte Familienehre und das Versagen staatlicher Institutionen, Frauen rechtzeitig zu schützen.

Diese Tötungen haben nichts mit Ehre zu tun

Wenn eine Frau ermordet wird, weil sie nach Freiheit strebt, eine Ehe ablehnt, eine Beziehung verlässt oder beschuldigt wird, den Ruf ihrer Familie zu beschädigen, ist das Wort „Ehre“ keine Erklärung. Es ist eine Rechtfertigung, die von den Tätern benutzt und manchmal auch von Behörden und Medien übernommen oder wiederholt wird.

Eine Tötung, die im Namen des Ansehens der Familie begangen wird, ist keine Ehrentat. Sie ist Mord. Das Opfer wird dafür bestraft, dass es Rechte ausübt, die Männer für sich selbst selbstverständlich in Anspruch nehmen.

Der Bericht von StopFemicideIran macht außerdem deutlich, dass die dokumentierten Zahlen nicht als vollständige landesweite Erfassung betrachtet werden können. Zensur, Angst vor Verfolgung, gesellschaftliche Stigmatisierung, der eingeschränkte Zugang zu Informationen und das Fehlen verlässlicher offizieller Statistiken tragen dazu bei, dass viele Fälle nicht gemeldet werden. Die tatsächliche Zahl der getöteten Frauen liegt daher wahrscheinlich deutlich höher.

Ein Muster, das untersucht werden muss

Der Bericht basiert auf öffentlich zugänglichen Regierungsquellen, Medienberichten und Informationen aus sozialen Medien. Er bietet eine wichtige Dokumentation von Fällen, die andernfalls möglicherweise aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden würden.

Dokumentation ist von großer Bedeutung. Ohne Namen, Daten, Orte und Informationen über die jeweiligen Umstände kann Femizid auf einzelne, voneinander unabhängige Vorfälle reduziert werden. Werden die Fälle jedoch gemeinsam betrachtet, wird ein größeres Muster sichtbar: Frauen werden innerhalb von Systemen getötet, die männliche Kontrolle tolerieren, häusliche Gewalt verharmlosen und nicht eingreifen, obwohl Bedrohungen bekannt sind.

Die Frage lautet nicht nur, wie viele Frauen getötet wurden. Die Frage ist auch, wie viele von ihnen hätten geschützt werden können und warum dies nicht geschehen ist.

Der Bericht von StopFemicideIran leistet einen wichtigen Beitrag zu dieser Untersuchung. Er stellt sicher, dass diese Todesfälle gezählt, dokumentiert und mit der umfassenderen Realität geschlechtsspezifischer Gewalt im Iran in Verbindung gebracht werden.
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